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Euroregion Spree-Neiße-Bober: Drehscheibe zwischen Ost und West

6. Brandenburger Europatag

C. Däubler
C. Däubler
In seiner Eröffnung sprach Christian Däubler, Leiter Büro Berlin-Brandenburg, die Tradition des Europatages an und betonte, dass dies zu einem Forum des Austausches und der Verständigung geworden sei: „Unser Zusammenleben im geeinten Europa braucht sowohl wirtschaftliche Dynamik als auch Verständnis zwischen den Menschen in unseren Ländern. Aus liberaler Sicht bedingen sich Marktwirtschaft und offene Gesellschaft gegenseitig.“

C. Fiedorowcisz
C. Fiedorowcisz
In seinem Grußwort sprach der Abgeordnete des Sejm Czeslaw Fiedorowcisz, Vorsitzender der Euroregion Spree-Neiße-Bober, davon, dass angesichts des Informationsdefizits solche Konferenzen sinnvoll und nützlich für den beiderseitigen Austausch seien: „Ich bin davon überzeugt, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung mit dieser klugen und förderlichen Kooperation eine gute Investition leistet.“

In Fachvorträgen informierten Ireneusz Brzezinski, Direktor der Abteilung Wirtschaftsförderung der Stadt Zary (Polen), Heinrich Weißhaupt, InvestitionsBank des Landes Brandenburg, und Alexander Knapczyk, IHK Cottbus, über den Stand deutsch-polnischer Wirtschaftskooperationen in der Euroregion sowie über die Möglichkeiten der Investitionsförderung.

Brzezinski führte unter anderem aus, dass insbesondere in den Bereichen Gastronomie, Dienstleistung und Handel grenzüberschreitende Kooperationen existieren. Dennoch sei das Potential für die Zusammenarbeit von Unternehmen längst nicht ausgeschöpft. Vor allem die Defizite in der Kommunikation, Werbung und zweisprachigen Information würden als Hemmnisse angesehen. Daher bewerte Brzezinski die Tagung als gute Tradition des Aufbaus eines deutsch-polnischen Netzwerkes.
Weißhaupt und Knapczyk stellten eine Auswahl der Förderprogramme und Beratungsangebote der IHK, KfW, IvestitionsBank des Landes Brandenburg sowie der Europäischen Union vor. Diese reichen von „Startgeldern“, „Mikrodarlehen“ bis hin zu „Unternehmerkrediten“ sowie „Gründungs- und Wachstumsfinanzierungen.“

Als ein positives Beispiel für die Vernetzung der Unternehmer und den besseren bi-lingualen Informationsaustausch präsentierte Bernd Winkler, 3X - Software GmbH, die Internetplattform www.wirtschaftsregion-snb.de, welche seit dem 5. Brandenburger Europatag realisiert wurde.

Podium
Podium
Zum Abschluss der Tagung stellten sich Dr. Gerhard Reinfeld, Bürgermeister der Stadt Forst, Ministerialdirektor Rolf Schulz-Roloff, Ministerium für Wirtschaft des Landes Brandenburg, Wolfgang Wenzke, Bundesverband mittelständische Wirtschaft, sowie Ireneusz Brzezinski der Diskussion über die Entwicklungspotentiale der Euroregion.

Reinfeld ordnete die Euroregion zunächst in einen größeren Kontext: Die Euroregion Spree-Neiße-Bober habe eine sehr gute Lage im Dreieck zwischen den Oberzentren Berlin, Breslau und Dresden. „Wir sind eine Energieregion. Wir sind eine Industrieregion. Wir sind eine Wissenschaftsregion.“ Hierin sieht Reinfeld die Chancen für beide Seiten der Grenze. Dennoch werde das Potential noch nicht ausgeschöpft, unter anderem weil der Informationsbedarf für Unternehmen, aber auch Kommunen zunehme. Nur gestärkt könne man als Wettbewerbsregion bestehen.
Wenzke sprach davon, dass es im Zuge der Osterweiterung zu zweierlei Überschätzung gekommen sei. Weder gebe es eine Wanderung polnischer Arbeitnehmer auf den deutschen Arbeitsmarkt, noch habe sich der polnische Markt als neuer, großer Absatzmarkt erwiesen. Kritisch äußerste sich Wenzke gegenüber dem Desinteresse deutscher Unternehmen an Kooperationen mit polnischen Unternehmen.

Karte der Euroregion
Karte der Euroregion
Auf eine Aussage aus dem Auditorium, dass die deutschen Unternehmer nicht ausreichend über Kooperationsformen und -möglichkeiten informiert seien, erwiderte Reinfeld, dass diese besser informiert wären, als wir denken würden.
Der Moderator Prof. Martin Neumann nahm diesen Aspekt auf, indem er von dem Ziel der Schaffung einer Plattform für beide Seite sprach.
Schulz-Roloff unterstütze diesen Punkt. Auch er meinte, dass die Klein- und Mittelständischen Unternehmer (KMU) wüssten, woher sie Informationen bekämen. Er wies ferner daraufhin, dass bisher 13% des Gesamtexportes des Landes Brandenburg nach Polen ginge.
Hinsichtlich des Förderdschungels und der Informationsübersicht widersprach Wenzke seinen Vorrednern. Die Unternehmer könnten gar nicht alle Quellen kennen. Persönliche Kontakte wären die besten Voraussetzungen, Ängste zu überwinden und Sprachbarrieren abzubauen.

Die Kooperationen im Hochschulbereich, z.B. zwischen den Städten Zary und Senftenberg sowie der BTU Cottbus seien sehr fruchtbar, so Brzezinski. „Wir sind dabei, die Nachteile der Infrastruktur aufzuholen.“ Die Bewohner der Region müssten selbst aktiv werden, dann werde die Region konkurrenzfähig, und man könne mehr und mehr die Potentiale aktivieren. Schulz-Roloff ergänzte: Entscheidend für die gute Entwicklung seien unter anderem die Fortschritte gewesen, die Polen im Wirtschafts- und Rechtssystem gemacht habe.

Brzezinski sprach darüber hinaus einen provokativen Aspekt in den deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen an. Langfristig werde sich das produzierende Gewerbe in Polen ansiedeln, was bliebe dann für Deutschland? Auch Reinfeld sah hierin ein Dilemma für die deutsche Seite und das Wirtschaftspotential der Kommunen. Die Abwanderung deutscher Unternehmen müsste gestoppt werden. Neumann relativierte diese Aussage: Es gehe nicht um Restriktionen, sondern um den Wettbewerb innerhalb der Euroregion und gegenüber anderen Regionen. Die Unternehmen müssten die Freiheit der Standortansiedlung haben. Einig waren sich die Diskutanten, dass die gemeinsame Region Spree-Neiße-Bober gestärkt und wettbewerbsfähig gemacht werden müsse.

Abschließend stellte Neumann heraus, dass die Tagung gezeigt habe, wie die Befindlichkeiten auf beiden Seiten seien und wo es Handlungsbedarf gebe. Dies müsse Auftrag genug sein, für Unternehmer, Kommunen, Politiker und Multiplikatoren das beiderseitige Verhältnis weiter zu verbessern und auszubauen.

Die Tagung wurde gefördert mit Mitteln der Landeszentrale politische Bildung Brandenburg und fand im Rahmen der Aktionstage Politische Bildung statt.

Michael Gold
Büro Berlin-Brandenburg
letzte Änderung: 12.09.2008


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