40 Jahre liberale politische Bildung in Bayern
Matinee anlässlich der Gründung des Thomas-Dehler-Instituts vor 40 Jahren
Anlässlich der Gründung des Thomas-Dehler-Instituts, heute Thomas-Dehler-Stiftung, im Jahre 1971 fand eine Matinee im Amerikahaus in München statt.
Stadler Max Stadler MdB , Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium und Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung, würdigte das Lebenswerk, das Thomas Dehler (1897 – 1967) hinterlassen hat. Nicht nur als erster deutscher Bundesjustizminister (1949 - 53), sondern auch als späterer Bundesparteivorsitzender der FDP (1954 - 57) brachte er sich maßgeblich in die jungen Jahre der BRD ein. Zuvor war Thomas Dehler bereits Mitglied des Parlamentarischen Rates, der das deutsche Grundgesetz ausarbeitete. Stadler würdigte Dehler als aufrechte und streitbare Person, die sich voller Energie der liberalen Sache in Bayern und Deutschland angenommen hatte.
Leutheusser-Schnarrenberger Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesministerin der Justiz und Landesvorsitzende der FDP Bayern, betonte den Enthusiasmus und die Wirksamkeit, mit der Thomas Dehler als Justizminister bereits kurze Zeit nach Amtsantritt die Reform der deutschen Justiz in die Wege leitete. Im Zusammenhang mit dem Jahrestag des Attentates auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 erteilte sie Forderungen nach Repressivität der Sicherheitspolitik eine Absage. Es gelte den Grundsätzen einer freiheitlichen Verfassung auch in schwierigen Zeiten treu zu bleiben.
Eisfeld Karl Heinz Eisfeld, Vorsitzender des Landesrates für Erwachsenenbildung in Bayern, widmete sich der Entstehung der politischen Bildung und gab einen historischen Überblick über zentrale Daten in der Geschichte der Erwachsenenbildung. In Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus betonte er, dass die Kapitulation am 8. Mai 1945 im menschlichen Sinne eine Befreiung gewesen ist und dass ein funktionierendes Gemeinwesen der Demokratie bedarf.
Oberreuther Prof. Oberreuther, Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, hielt den Hauptvortrag mit dem Titel „Bedeutung der politischen Bildung in einer offenen Gesellschaft“. Er kritisierte die politische Bildung an Schulen, die den Schülern nur unzureichend Kenntnisse der politischen Grundlagen in Deutschland vermittle. Mit Bezug auf Thomas Dehler stellte er fest, dass es diesem bei all seinem Elan und Engagement gelang, die Menschen zur Nachdenklichkeit anzuregen. Letztendlich dürfe nicht vergessen werden, dass die Pluralität das wichtigste freiheitliche Ordnungsprinzip sei und damit nicht neutral, wie häufig zu lesen sei. Im Rahmen der politischen Auseinandersetzung bestehe immer die zentrale Frage: Was ist der Grundkonsens? Er betonte, dass je größer der gemeinschaftliche Grundkonsens sei, desto geringer sei auch die Freiheit Einzelner. Um trotzdem die Freiheit Einzelner gewährleisten zu können, müsse Toleranz auch weh tun können.
Cieslik Mit dem Thema der „Besonderheiten der liberalen politischen Bildung“ beschäftigte sich Thomas Cieslik, Politikwissenschaftler, in seinem Vortrag. Zum aktuellen Thema der geringen Wahlbeteiligungen und der Forderung nach Volksabstimmungen führte er aus, dass diese letztendlich nach wie vor eine wesentlich geringere Mobilisierungswirkung an Wähler erzielen als die regulären Wahlen.
Rede von Sabine Leuthheusser-Schnarrenberger MdB





