25.08.2010 - Liberale Stichtage: 75. Todestag von Walter Schücking

Walther Schücking Im deutschen Liberalismus gab es immer auch eine bedeutende Strömung des Pazifismus. Im frühen 20. Jahrhundert war neben dem Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde (vgl. Liberaler Stichtag 23.3.2008) der große Rechtsgelehrte Walther Schücking bekanntester Vertreter dieses pazifistischen Liberalismus.
Bereits mit 25 Jahren wurde er auf eine juristische Professur in Breslau berufen lehrte er anschließend Völker- und Staatsrecht in Marburg, Berlin und Kiel. Vor 1914 engagierte er sich zunächst noch erfolglos im Freisinn, 1918 wechselte er dann zur DDP, für die er zwischen 1919 und 1928 im Reichstag saß.
Sein Ansehen als Vorkämpfer der internationalen Verständigung war schon während des Ersten Weltkriegs so groß, dass ihn 1919 die Reichsregierung in die deutsche Friedensdelegation nach Versailles berief. Obwohl er vom Ergebnis der Friedensverhandlungen sehr enttäuscht war und im Reichstag zur Ablehnung des Versailler Vertrags aufrief, hielt er auch in der Folgezeit am Ziel der Völkerverständigung fest und warb in Deutschland für den Völkerbund.
1930 wurde er als erster Deutscher zum Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag gekürt. Dort in den Niederlanden fand Schücking, der von den Nationalsozialisten zwangspensioniert worden war und dessen Publikationen zu den verbrannten Schriften gehörten, 1933 auch ein Exil, in dem er schließlich im Alter von 60 Jahren verstarb. Nach ihm wurde unter anderem ein renommiertes Rechtsinstitut an der Universität Kiel benannt.
Schücking bei der Universität Kiel
Die deutschen Professoren und der Weltkrieg von Walther Schücking
Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.





