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20.12.2011 - Liberale Stichtage: 85. Geburtstag von Otto Graf Lambsdorff

Dalai Lama und Otto Graf Lambsdorff
Dalai Lama und Otto Graf Lambsdorff
Die politische Vita von Otto Friedrich Wilhelm Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff lässt sich am besten mit dem ursprünglich ironisch gemeinten, dann zur Ehrenbezeichnung umgewandelten Begriff „Marktgraf“ umschreiben: Otto Graf Lambsdorff war ein Marktwirtschaftler durch und durch.

Und wenn es einen Ausgangpunkt dafür gab, dann war es die Erfahrung der „Währungsreform“ 1948 (vgl. Liberaler Stichtag 20.06.2008), die dem schwer kriegsversehrten Nachkommen eines deutschbaltischen Adelsgeschlechts die Möglichkeiten eines freiheitlichen Wirtschaftssystems deutlich machten. Seitdem war Graf Lambsdorff ein überzeugter Anhänger der Wirtschaftskonzeption Ludwig Erhards; anders als dieser sah er allerdings in der FDP diejenige politische Kraft, die am klarsten marktwirtschaftliche Positionen vertrat und der er 1951 beitrat.

Aber Graf Lambsdorff verstand sich nie als ausschließlicher Wirtschaftspolitiker, sondern zugleich als Liberaler, dem auch Fragen der Rechtsstaatlichkeit am Herzen lagen. So setzte er sich für politisch Verfolgte in Putins Russland oder für die Freiheit der Tibeter ein. Der Dalai Lama zeichnete ihn und die Stiftung dafür im Jahre 2005 mit der höchsten Auszeichnung, dem Light of Truth Award aus.

Nicht ohne Stolz blickte Graf Lambsdorff auf eine Mitwirkung bei den Freiburger Thesen zurück (vgl. Liberaler Stichtag 25.10.2011). Als Nachfolger von Hans Friderichs (vgl. Liberaler Stichtag 16.10.2011) wurde er im Herbst 1977 Bundesminister für Wirtschaft. In dieser Funktion hatte er maßgeblichen Anteil an der wirtschaftlichen Erholung in den 1980er Jahren, wobei Graf Lambsdorff sich um der Sache willen auch über Koalitionserwägungen und -strategien hinweg setzte.

Nachdem er 1984 den Posten wegen umstrittener Praktiken während seiner Zeit als Landesschatzmeister der nordrhein-westfälischen FDP aufgegeben hatte, kehrte er im Oktober 1988 mit Aplomb in die erste Reihe der Politik zurück, als er zum FDP-Vorsitzenden gewählt wurde (vgl. Liberaler Stichtag 08.10.2008). So führte Graf Lambsdorff als erster eine gesamtdeutsche liberale Partei (vgl. Liberaler Stichtag 11.08.2010).

Zwei Jahre nach dem Rückzug von der Parteiführung 1993 wurde er zum Vorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung gewählt, an deren Spitze er elf Jahre stand.

Zur Jahrtausendwende verhandelte er im Auftrag der rot-grünen Bundesregierung mit Erfolg über die Wiedergutmachung von ehemaligen Zwangsarbeitern des NS-Regimes in Osteuropa. Beim 60. Geburtstag der FDP im Dezember 2008 hielt er die zentrale und mit viel Beifall versehene Festrede. Fast genau ein Jahr später starb Otto Graf Lambsdorff knapp 83jährig in Bonn, wo ebenso wie in Brandenburg/Havel vielbesuchte Trauerfeiern von der großen Anteilnahme am Tod des „Marktgrafen“ weit über den organisierten Liberalismus hinaus zeugten.

70 Jahre und kein bisschen leise in Die liberale Depesche
Otto Graf Lambsdorff bei 50 Jahre für die Freiheit
Nachruf im SPIEGEL

Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier. Möchten Sie nach Ereignissen zu einem bestimmten Datum suchen? Auf der Stammseite der Liberalen Stichtage finden Sie dazu rechts oben einen Kalender.
letzte Änderung: 15.12.2011


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