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Liberaler Widerstand gegen Stalins Terror in der SBZ/DDR

Im Rahmen des "Geschichtsforums 1989 | 2009" sprachen Zeitzeugen über den stalinistischen Terror gegen liberale und bürgerliche Kreise in der Sowjetischen Besatzungszone, über Repressionen von Verhaftungen und Verurteilungen bis hin zur Todesstrafe.

Im Mittelpunkt des Geschichtsforums stand zwar der 20. Jahrestag des Mauerfalls, aber die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit wollte nicht zuletzt vor der Hintergrund der aktuellen Debatte über den „Unrechts-Charakter“ der DDR mit ihrem Beitrag bewusst den Blick weiter zurück lenken. So wurden in einer Diskussionsrunde mit dem Titel „Als Liberale in den Fängen des stalinistischen Terrors“ die gewaltsamen Umstände thematisiert, unter denen sich die Geburt der DDR vollzog. Frank Drauschke (facts & files, Berlin) skizzierte in einem Drauschke
Drauschke
Einleitungsvortrag noch einmal sehr anschaulich die Gewaltmaßnahmen, mit denen Sowjets und ihre deutschen Helfershelfer vermeintliche Oppositionelle aus- und zugleich die bürgerlichen Kräfte in der SBZ gleichschalteten:

Zu Beginn der 1950 Jahre wurde fast 1000 Bürger aus beiden Teilen Deutschlands nach Geheimverfahren zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet, darunter 71 Liberale.
Drauschkes Überblick wurde vor rund 60 Teilnehmern im Senatsaal der Humboldt-Universität sehr anschaulich ergänzt durch zwei Liberaldemokraten Kochheim
Kochheim
der ersten Stunde: Hansjochen Kochheim (ehemals Genthin/Sachsen-Anhalt, heute Gummersbach) und Hans Rösler, (ehemals Eisenberg/Thüringen, heute Stein bei Nürnberg) waren als junge Männer fast gleichzeitig 1946 der LDP beigetreten, Kochheim eher aus Idealismus, um beim demokratischen Aufbau mitzuwirken, Rösler schon mit der Absicht, dem Machtanspruch der SED Widerstand zu leisten Rösler
Rösler
und um „verhaftete Liberaldemokraten zu ersetzen“.

Beide engagierten sich in der liberalen Jugendpolitik, bauten Kontakte zu liberalen Kreisen in West-Berlin auf und gerieten schnell mit der Besatzungsmacht in Konflikt: Hans Rösler wurde bereits 1948 verhaftet und vom einem sowjetischen Militärtribunal „in Ermanglung der Todesstrafe“, die zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt war, zu 25 Jahren Haft „wegen Spionage und antisowjetischer Propaganda“ verurteilt. Mit ähnlicher Begründung wurde Hansjochen Kochheim 1950 mit 25 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien bestraft.

Erst Mitte der 1950er-Jahre kamen sie aus dem sibirischen Arbeitslager bzw. der Haftanstalt Bautzen frei, um sich umgehend in den Westen abzusetzen, wo beide unverdrossen ihr liberales Engagement fortsetzten. Drauschke, Rösler, Frölich, Kochheim (vlnr)
Drauschke, Rösler, Frölich, Kochheim (vlnr)

Gefragt, ob sie sich als „Spione“ gefühlt hätte, antworteten sie, dass im Mittelpunkt der Kampf um freiheitliche Werte gestanden habe, bei dem man notfalls auch auf Hilfe aus dem Westen, etwa in Form von FDP-Werbematerial, habe zurückgreifen müssen, da die LDP-Parteiführung immer mehr vor der SED zurückgewichen sei.

Insofern habe man nach kommunistischer Definition „Spionage“ betrieben. Aus heutiger Sicht sei man allerdings doch etwas naiv gewesen und habe das Risiko, das ja die Todesstrafe mit einschloss, nicht so richtig abschätzen können. Rückblickend, da waren sich beide Zeitzeugen einig, würde man sicherlich unter den gleichen Umständen wieder so handeln, nur „professioneller“. Den Mauerfall vor 20 Jahren empfanden beide Zeitzeugen als nachträgliche Bestätigung ihres politischen Engagements.


Jürgen Frölich



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letzte Änderung: 16.06.2009


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