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SED-Opfer: Gefährdet die Linke unsere Demokratie?

Zeitzeugenbericht und Diskussionen zur Aufarbeitung von DDR-Unrecht

Lukow
Lukow
„Wer die Vergangenheit nicht aufarbeitet, dem kann man auch keine Verantwortung für die Zukunft überlassen.“ Zeitzeuge Thomas Lukow, freiberuflicher Referent für politische Bildungsarbeit und selbst Opfer des SED-Regimes, zieht am Ende einer zweistündigen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zur Frage „Gefährdet die Linke unsere Demokratie?“ im nordhessischen Melsungen mit diesem Satz eine klare Bilanz: Die fehlende Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit sowie das mangelhafte Wissen über die tatsächlichen Verhältnisse „hinter der Mauer“ sind zu einem großen Teil mit dafür verantwortlich, dass linke populistische Vorstellungen und linksextremistische Bestrebungen auch im Westen verstärkt auf fruchtbaren Boden fallen und somit tatsächlich eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für unsere Demokratie darstellen.

Eine Art „DDR-Sentimentalität“

Wenn es um die Aufarbeitung von erlittenem Unrecht in der DDR geht, weiß Lukow sehr genau wovon er spricht. Einst selbst in der FDJ aktiv brach er als 18jähriger mit dem DDR-Regime und wurde 1981 wegen versuchter Republikflucht zu 20 Monaten Freiheitsentzug in Bautzen II verurteilt. Nach seiner Entlassung engagierte er sich in der Kulturszene Ostberlins und kirchlichen Friedenskreisen, erst 1989 konnte er mit seiner Familie in den Westen ausreisen.

Gedenkstätte Bautzen II*
Gedenkstätte Bautzen II*
Mit erstaunlichen Zahlen und zahlreichen Zitaten von politisch Tätigen aus Ost- und Westdeutschland belegt Lukow während seines Vortrages eine verdächtige Stimmung, die mancherorts offensichtlich zu einer Art „DDR-Sentimentalität“ geführt hat.

Ausführungen, dass die Idee des Kommunismus im Grunde eine gute Sache gewesen sei, nur habe man sie in der ehemaligen DDR schlicht falsch umgesetzt, lassen ihn nur mit dem Kopf schütteln. „Was sollen unsere Schüler denn denken, wenn sie von Politikern hören, dass die DDR zwar kein Rechtsstaat gewesen, aber drüben doch nicht alles schlecht gewesen sei?“ fragt sich Lukow und verweist in diesem Zusammenhang auch auf diejenigen Untersuchungen, die das lückenhafte Schülerwissen zur DDR darlegen.

Diskussion in Melsungen
Diskussion in Melsungen
Um diese Lücken zu füllen, arbeitet Lukow im Rahmen seiner politischen Bildungsarbeit nicht nur als freier Mitarbeiter in den Gedenkstätten Normannenstraße und Hohenschönhausen, sondern hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, Schülerinnen und Schülern im Zuge der Auseinandersetzung mit seiner Person und seinem Schicksal vom Leben als Jugendlicher im real existierenden Sozialismus zu berichten.

„Fröhliche“ Musik mit „sinnvollen“ Texten

Er dokumentiert dies sehr anschaulich mit Lehrmaterial aus den Kindergärten der DDR, durch das Abspielen der „fröhlichen“ Musik mit „sinnvollen“ Texten für junge Menschen, die dem westlichen Rock und Pop von staatlicher Seite aus entgegen gesetzt werden sollte, sowie Ausschnitten aus dem Film „Das Leben der Anderen“.

Bei insgesamt vier Schulveranstaltungen in Melsungen, Felsberg und Guxhagen zeigte er auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit dabei auf, wie Rock und Pop als alternative Protest- und Spaßkultur wirken konnte. Dabei berichtet er immer wieder von seinem eigenen Lebensweg, der ihn von der FDJ über die Gründung einer Rockband und einer zwangsweise abgebrochenen Ausbildung zum Forstamtsgehilfen bis nach Bautzen II geführt hat.

Schüler in Felsberg
Schüler in Felsberg
Auf den Gesichtern seiner jungen Zuhörer ist dabei mehr als einmal abzulesen, dass dieses Thema für sie in weiten Teilen Neuland darstellt. Keiner von ihnen war 1989 schon auf der Welt, die von Lukow geschilderten teilweise völlig absurden Maßnahmen des sozialistischen Regimes kaum vorstellbar. So reagierten die Schüler verständlicherweise mit Kichern und Erstaunen auf die Schilderung der Konservierung menschlicher Gerüche durch Tücher in Einmach-Gläsern.

Eines machten alle Veranstaltungen deutlich: Die Aufarbeitung des DDR-Unrechts ist auch 20 Jahre nach Mauerfall noch lange nicht abgeschlossen. Um Freiheit und Demokratie zu sichern, bedarf es der intensiven Aufklärung, der Wissensvermittlung und der Auseinandersetzung mit der deutsch-deutschen Geschichte und ihren Hinterlassenschaften.

Cornelia Holtmann

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Am 9. November 1989 wurde die Revolution gegen die SED-Diktatur vom Fall der Berliner Mauer gekrönt. 20 Jahre danach schneidet die Stiftung für die Freiheit dieses Thema an verschiedenen Stellen an – hier finden Sie eine Übersicht von Artikeln zum Thema.

*Foto: Stephan M. Höhne, Wikipedia
letzte Änderung: 09.04.2009


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