17.12.2011 - Liberale Stichtage: Klaus Kinkel wird 75

Klaus Kinkel
Der Reigen liberaler Außenminister im Deutschland des 20. Jahrhunderts erstreckte sich über eine Zeit von mehr als 75 Jahren: Er begann 1922 mit Walter Rathenau und endete 1998 mit dem sechsten von liberalen Chefs im Auswärtigen Amt, Klaus Kinkel.
Der 1936 in Reutlingen geborene und in Hechingen aufgewachsene Jurist stand bei seinem Amtsantritt 1992 vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits folgte er damals auf den mit Abstand dienstältesten Außenminister eines demokratischen Landes, Hans-Dietrich Genscher, zum anderen hatte sich die weltpolitische Konstellation kurz zuvor dramatisch von einer eher bipolaren, vom Ost-West-Konflikt geprägten Situation zu einem sehr viel unübersichtlichen multipolaren System gewandelt.
Eigentlich war Kinkel als langjähriger Mitarbeiter Genschers und ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienst auf diese Herausforderungen gut vorbereitet, zumal er als Staatssekretär (1982 bis 1991) und Bundesminister für Justiz (1991/1992) auch über entsprechende Erfahrungen bei der Leitung von Ministerien verfügte.
Jedoch galt er 1993 zugleich auch als liberaler Hoffnungsträger und wurde gedrängt, ohne „Stallgeruch“ und langjährige „Ochsentour“ in der Partei auch die Führung der FDP als Nachfolger von Otto Graf Lambsdorff zu übernehmen (vgl. Liberaler Stichtag 08.10.2008). Diese Doppelbelastung als Parteichef und Vizekanzler kennzeichneten die ersten Amtsjahre Kinkels, der 1994 einen herben Rückschlag für die FDP bei der Bundestagswahl hinnehmen musste.
1995 gab er den Parteivorsitz an Wolfgang Gerhardt ab (vgl. Liberaler Stichtag 10.06.2010) und konzentrierte sich von da an ganz auf sein Ministeramt. Dort erwarb sich Kinkel allgemein ein hohes Ansehen als Staatsmann und geradliniger Politiker, was sich aber weder parteipolitisch auszahlte noch den voranschreitenden Verlust an Zustimmung für die christlich-liberale Koalition unter Helmut Kohl insgesamt stoppen konnte. Mit der Wahlniederlage vom September 1998 musste Kinkel sein Amt aufgeben. Er blieb zwar noch bis 2002 als stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, verlegte aber das Schwergewicht seines Engagement mehr auf außerparlamentarische Bereiche wie die Führung der Deutschen Telekom Stiftung.
Klaus Kinkel beim Auswärtigen Amt und bei der Telekom Stiftung
Klaus Kinkel - ein Mann der Verlässlichkeit in Die Liberale Depesche
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