Erster Todestag von Lord Ralf Dahrendorf
Vor einem Jahr, am 17. Juni 2009, starb Lord Ralf Dahrendorf, Vorsitzender des Stiftungsvorstands von 1982 bis 1987. Für die Verhältnisse der Bundesrepublik war es sicher eine der außergewöhnlichsten Karrieren, die zeigte, dass sich einerseits auch hierzulande Wissenschaft und Politik gegenseitig befruchten und dass andererseits philosophische Denker aus Deutschland auch in der Gegenwart noch zu Weltruhm gelangen können. Als Sohn eines sozialdemokratischen Politikers machte Ralf Dahrendorf sich zunächst einen Namen als innovativer Soziologe, ehe er über bildungspolitische Fragen Mitte der 1960er-Jahre in die Sphäre der Politik vorstieß. Nicht zuletzt dank seiner intimen Kenntnis des Marxschen Werkes wandelte sich der ursprüngliche Sozialdemokrat zum Liberalen, der in die FDP eintrat und dort schnell zum Land- und Bundestagsabgeordneten avancierte.
Für den berühmten „Machtwechsel“ von 1969 leistete er auf liberaler Seite wichtige theoretische Vorarbeit, empfand dann aber als Staatssekretär und EU-Kommissar den Spielraum in der politischen Praxis als eher gering, so dass Dahrendorf 1974 die Leitung der London School of Economics übernahm und später eines der altehrwürdigen Colleges in Oxford führte.
Seine britischen Jahre wurden Mitte der 1980er nochmals für einige Zeit unterbrochen, als Dahrendorf an der Spitze der Friedrich-Naumann-Stiftung stand. Obwohl er auch in seinem umfangreichen Œuvre unermüdlich als Brückenbauer zwischen angelsächsischem und kontinentaleuropäischem Denken tätig war, bildete doch in den späteren Jahren Großbritannien für ihn den Lebensmittelpunkt, ablesbar auch an den dortigen, für einen gebürtigen Deutschen dieser Generation sehr außergewöhnlichen Ehrungen, u. a. einem Adelstitel und einem Sitz im House of Lords.
Die Stiftung hat in Erinnerung an Lord Dahrendorf die Lord Ralf Dahrendorf Lecture ins Leben gerufen. Sie findet in Zusammenarbeit mit der Badischen Zeitung und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie mit freundlicher Unterstützung der Wochenzeitung DIE ZEIT statt, erstmals in Freiburg am 17. Juni 2010, dem ersten Todestag. Auch der Themenschwerpunkt des Abends ist eine Referenz an Lord Dahrendorf; dieser hatte sich in den letzten Jahren seines Lebens vor allem mit Fragen des interreligiösen Zusammenlebens und interkulturellen Dialogs beschäftigt.
Weitere Informationen zur Lord Ralf Dahrendorf Lecture
Würdigung Lord Dahrendorfs in der Badischen Zeitung v. 11. Juni 2010
Interview mit Dahrendorf in SPIEGEL online zur Bildungspolitik (22. Oktober 2008)
Rede Lord Dahrendorfs beim Festakt zum 50. Geburtstag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit am 19. Mai 2008 in Bonn:





