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10.10.2009 - Liberale Stichtage: Vor 110 Jahren wird Wilhelm Röpke geboren

Wer wissen will, was mit dem Konzept „Soziale Marktwirtschaft“ ursprünglich gemeint war, der sollte sich mit dem Werk Wilhelm Röpkes befassen. Der 1899 als Sohn eines Landarztes nahe Hannover geborene Wirtschaftswissenschaftler kann als einer ihrer wichtigsten Vordenker gelten.

 

Bereits im Alter von 23 Jahren habilitiert, erhielt er gut ein Jahr später eine erste Professur in Jena, weitere akademische Stationen waren Graz und Marburg, ehe er 1933 als konsequenter Gegner der Nationalsozialisten ins Exil ging. Nach einigen Jahren in Istanbul lehrte er ab 1937 bis zu seinem Tod 1966 als Professor für internationale Wirtschaftsfragen in Genf.

 

Röpke war ein unbedingter Verfechter von Marktwirtschaft und Freihandel – von daher wie viele zeitgenössische Freidemokraten ein Gegner der EWG -, aber er war auch im Gegensatz zu „Libertarians“ wie Ludwig von Mises oder Friedrich von Hayek davon überzeugt, dass die Marktwirtschaft zum Funktionieren nicht nur der freiheitlichen Institutionen bedurfte, sondern auch adäquater Werthaltungen, die eine freiheitliche Gesellschaft aber nicht aus sich selbst heraus entwickeln würde.

 

Für Röpke entsprachen diese Werte den „vorkapitalistischen“ Tugenden des Bürgertums wie Fleiß, Sparsamkeit, Pflichtgefühl, aber auch Humanität zum Schutz der Schwachen. Mit Rainer Hank kam man diese stark wertgebundene Haltung als „konservativen Liberalismus“ bezeichnen; Röpkes Konzept einer „sozial verpflichteten Marktwirtschaft“, das großen Einfluss auf Ludwig Erhard ausübte, war aber von ihm selbst immer als Gegenteil eines umverteilenden Sozialstaates gemeint.

 

Wilhelm Röpke beim Wilhelm-Röpke-Institut

Steckbrief Wilhelm Röpke (engl.)

 

Fernschreiben von Thomas Dehler an Welt am Sonntag (Quelle ADL, Bestand Thomas Dehler, N1- 2086)

 

Literaturhinweise:

 

Otto Graf Lambsdorff: Wirtschaftspolitik für den Menschen. Vor 100 Jahren wurde Wilhelm Röpke geboren. In: ders.: Der Freiheit verpflichtet. Bd. 1 Stuttgart 2006, S. 314-316.

 

Rainer Hank: Liberal und konservativ - ob das wohl gut geht? Warum es sich lohnt, wieder einmal Wilhelm Röpke zu lesen. In: Wolfgang Gerhardt (Hrsg.): Die Kraft der Freiheit. Stuttgart/Leipzig 2008, S. 178-186

 

Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.

letzte Änderung: 08.12.2010


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