08.09.2010 - Liberale Stichtage: Vor 90 Jahren stirbt Rudolf Mosse

Rudolf Mosse Buchstäblich aus dem Nichts schuf Rudolf Mosse einen der bedeutendsten Konzerne im Presse- und Verlagswesen, wo er neben Leopold Sonnemann (vgl. Liberaler Stichtag 30.10.2009) und Leopold Ullstein (vgl. Liberaler Stichtag 4.12.2009) zu den großen liberalen „Pressezaren“ des Kaiserreiches zählt.
Geboren 1843 im polnischen Teil Preußens ging Mosse als junger Mann wie viele nach Berlin, wo der gelernte Buchhändler eine ebenso einfache wie geniale Geschäftsidee entwickelte: Mit einer „Annoncenexpedition“ vermittelte er gegen Provision Anzeigen in auflagenstarken Zeitungen und Zeitschrift.

Titelblatt einer Schrift aus dem Mosse-Verlag Das damit verdiente Geld setzte er nach der Reichsgründung zum Aufbau eines eigenen Zeitungsverlags ein, der bald zu den größten in Deutschland aufstieg. Die bekannteste Mosse-Zeitung war das 1872 gegründete „Berliner Tageblatt“, das vor allem unter der Leitung von Mosses Cousin Theodor Wolff (vgl. Liberaler Stichtag 23.9.2008) zur führenden linksliberalen Tageszeitung aufstieg.
Die enge Verbundenheit des Mosse-Konzerns mit dem Linksliberalismus kam auch 1918 bei der Gründung der Deutschen Demokratischen Partei zum Ausdruck (vgl. Liberaler Stichtag 16./18.12.2008). Mosse, der auch als Mäzen und Wohltäter – z. B. mit dem Mosse-Stift – sehr engagiert war, musste nicht mehr erleben, wie sein Konzern gegen Ende der Weimarer Republik in Schwierigkeiten geriet und dann von den Nationalsozialisten abgewickelt wurde.
Mosse bei Datenbank Schrift und Bild, bei Berliner Zeitungsviertel und in der Jewish Encyclopedia
Mosse-Stift
Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.





