07.11.2011 - Liberale Stichtage: 60. Todestag von Johannes Hieber

Hieber Wenn an liberale Landesväter in Südwestdeutschland gedacht wird, dann fällt zumeist der Namen Reinhold Maier (vgl. Liberaler Stichtag 19.08.2011). Doch dieser stand im Grunde genommen in einer älteren Tradition, die in den Ländern Baden und Württemberg zugleich schon vorher bestanden hatte.
Zu diesen älteren liberalen Landesvätern gehörte Johannes (von) Hieber, der die Geschicke Württembergs von 1920 bis 1924 leitete. Wie Maier stammte auch Hieber, geboren 1862, aus dem Remstal östlich von Stuttgart. Am renommierten Tübinger Stift studierte er Theologie und Philosophie und wirkte später als Pfarrer und Gymnasiallehrer.
1898 wurde er für die Deutsche Partei, d. h. den regionalen Ableger der Nationalliberalen, im Wahlkreis Cannstadt-Ludwigsburg in den Reichstag gewählt. Fast zeitgleich kam er auch in württembergischen Landtag; er saß zudem im Landes- und Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei an.
Nach der Revolution von 1918 wurde er württembergischer Kultusminister und Mitbegründer der DDP, wo er ebenfalls führende Funktionen in der Parteiorganisation bekleidete. 1920 übernahm Hieber zusätzlich das Amt des Staatspräsidenten und führte somit die Stuttgarter Landesregierung während der turbulenten Anfangsjahre der Weimarer Republik. Nebenher vertrat er von 1921 an auch noch die DDP im Reichstag.
Ab 1924 beschränkte sich Hieber auf die Arbeit im Landtag und in den Gremien der DDP, die ihn 1929 zum Ehrenvorsitzenden ernannte. 1945 war er noch an der Wiederbelebung des organisierten Liberalismus in Württemberg beteiligt; er starb wenige Jahre später nahe Göppingen.
Brief Hiebers (1923)
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