03.12.2011 - Liberale Stichtage: 100. Todestag von Friedrich Dernburg
Dernburg als Student Die Entwicklung, die der deutsche Liberalismus in der sogenannten „Reichsgründungszeit“ nahm, lassen sich exemplarisch an dem Juristen und Journalisten Friedrich Dernburg aufzeigen. Geboren 1833 im damals zu Hessen gehörigen Mainz wurde er als Korpsstudent im Sinne der liberalen Nationalbewegung politisiert.
Im Wendejahr 1866 wurde der junge Rechtsanwalt in den Landtag des Großherzogtums Hessen-Darmstadt gewählt, wo er schnell zu einem führenden Parlamentarier der dortigen „Fortschrittspartei“ aufstieg. Ähnlich wie ihre große Schwesterpartei in Preußen (vgl. Liberaler Stichtag 06.06.2011) forderte diese einen deutschen Nationalstaat unter preußischer Führung, war aber im Gegensatz zu großen Teilen der preußischen „Fortschrittler“ insbesondere nach den militärischen Erfolgen Preußens gegen Dänemark und Österreich dabei zu einer Zusammenarbeit mit Bismarck bereit.
Konsequenterweise schloss sich Dernburg, als er im Wahlkreis Offenbach 1871 in den ersten gesamtdeutschen Reichstag gewählt wurde, nicht der Fortschrittspartei, sondern den Nationalliberalen an. Seitdem verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin, wo er nicht nur als Parlamentarier, sondern auch journalistisch als Herausgeber der „Nationalzeitung“, eines der führenden, den Nationalliberalen nahestehenden Hauptstadt-Blattes wirkte.
In der Krise von 1880/1881, die zur Abspaltung des linken Flügels der Nationalliberalen Partei führte, verließ auch Dernburg die Fraktion, schloss sich aber nicht den „Sezessionisten“ an, sondern beendete seine parlamentarische Tätigkeit, um sich ganz dem Journalismus zu widmen.
Dass er dabei immer mehr mit dem linksliberalen Freisinn sympathisierte, zeigte sein Wechsel zum „Berliner Tageblatt“, der führenden Zeitung des Mosse-Konzerns 1890. (vgl. Liberaler Stichtag 08.09.2010) Kurz vor seinem Tod im Dezember 1911 erlebte Friedrich Dernburg noch den politischen Aufstieg seines Sohnes Bernard zum Staatssekretär im Reichskolonialamt; dieser sollte dann in der Weimarer Republik für die Linksliberalen Reichsfinanzminister werden.
Deutscher Parlaments-Almanach
Brief Dernburgs
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