02.08.2010 - Liberale Stichtage: 80. Todestag von Ludwig Haas

Ludwig Haas Ludwig Haas war ein später Vertreter der vor allem in Süddeutschland starken Tradition der „bürgerlichen Demokratie“, die ihren Anknüpfungspunkt vor allem in der Revolution von 1848 erblickte. So stand der in Freiburg geborene und in Karlsruhe praktizierende Anwalt immer auf der linken Seite des organisierten Liberalismus.
Seine politische Karriere hatte er 1910 in der Karlsruher Kommunalpolitik begonnen; bereits 1912 gelang es ihm, den dortigen Reichstagswahlkreis für die Fortschrittliche Volkspartei (vgl. Liberaler Stichtag 6.3.2010) zu gewinnen. Seitdem gehörte er für die Linksliberalen ununterbrochen bis zu seinem Tod den obersten deutschen Parlamenten an, daneben war er zeitweise Innenminister und Landtagsabgeordneter in Baden.
Ein zentrales Engagement von Haas galt der Gleichberechtigung der Staatsbürger jüdischen Glaubens; er selbst hatte deswegen im Kaiserreich Zurückweisung erfahren und war nicht zum Reserveoffizier ernannt worden. Dies hielt ihn, der eigentlich auf internationale Verständigung setzte, aber sich dennoch als Patriot fühlte, nicht davon ab, sich 1914 freiwillig zu melden und den Krieg nunmehr als Reserveoffizier mitzumachen.
Innerhalb der DDP war sein Ansehen so groß, dass er mehrfach zum Vorsitzenden ihrer Reichstagsfraktion gewählt wurde. Sein Tod im Alter von 55 Jahren zu Beginn der großen endgültigen Krise der Weimarer Republik wurde nicht nur von seinen politischen Mitstreitern, sondern gerade auch von seinen Glaubensgenossen als ein Verlust empfunden, der „das deutsche Judentum in keinem Augenblick schwerer treffen (konnte) als gerade jetzt“, wie es in einem Nachruf hieß.
Echo der Jungen Demokratie, 1930, S. 133 f (D1-4160)
Haas in der Karlsruher Stadtgeschichte
Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.





